Steuerberatung - Unternehmensberatung - Wirtschaftsprüfung

TREUHAND-UNION Österreich

Steuerberatung - Unternehmensberatung - Wirtschaftsprüfung

TU-Journal Nr. 02/2002

UMSATZSTEUERLICHE ÄNDERUNGEN BEI BAULEISTUNGEN

Zur Bekämpfung des Umsatzsteuerbetruges wurden mit 1. Oktober 2002 neue Regelungen über die Entrichtung der Umsatzsteuer bei Bauleistungen eingeführt. Das Grundprinzip besteht darin, dass für Bauleistungen, die ein Bauunternehmer bei einem Subunternehmer beauftragt, die Umsatzsteuer nicht mehr vom Subunternehmer an das Finanzamt abzuführen ist, sondern die Steuerschuld auf den Auftraggeber (Bauunternehmer) übergeht (sogenannter "Übergang der Steuerschuld" bzw. " Reverse Charge"). Der Auftraggeber zahlt daher dem Subunternehmer nur den Nettobetrag; die Umsatzsteuer bezahlt er mit seiner eigenen Umsatzsteuerschuld an das Finanzamt. Wenn der Auftraggeber selbst zum Vorsteuerabzug berechtigt ist, kann er die für den Subunternehmer geschuldete Umsatzsteuer wiederum als Vorsteuer vom Finanzamt zurückfordern. Der Saldo aus der dem Finanzamt geschuldeten Umsatzsteuer und der vom Finanzamt zurück zu fordernden Vorsteuer ist daher in diesem Fall gleich Null.

Die Regelung gilt allerdings nur dann, wenn folgende Konstellation vorliegt:

  • Ein (Sub-) Unternehmer
  • erbringt eine Bauleistung
  • an einen Auftraggeber,
  • der seinerseits mit der Erbringung von Bauleistungen beauftragt ist oder
  • der seinerseits üblicherweise Bauleistungen erbringt.

Die erste Schwierigkeit des neuen Systems besteht schon in der Definition des Begriffes "Bauleistungen". Bauleistungen sind alle Leistungen, die der Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung, Änderung oder Beseitigung von Bauwerken dienen. Der Begriff des Bauwerkes ist weit auszulegen und umfasst nicht nur Gebäude, sondern darüber hinaus sämtliche mit dem Erdboden verbundene oder auf ihm ruhende, aus Baustoffen oder Bauteilen mit baulichem Gerät hergestellte Anlagen. Keine Bauleistungen sind zB Planungsleistungen, Baustofflieferungen, reine Transportleistungen, reine Wartungsarbeiten, Gerätevermietungen etc. Bestehen im Einzelfall Zweifel, ob eine Bauleistung vorliegt (zB Einbau von Küchen, Ladeneinrichtungen), kann vom Leistenden (Subunternehmer) und vom Leistungsempfänger (Auftraggeber) einvernehmlich festgelegt werden, dass eine Bauleistung vorliegt.

Die Steuerschuld des Subunternehmers geht überdies nur dann auf den Auftraggeber über, wenn dieser seinerseits mit der Erbringung von Bauleistungen beauftragt ist oder seinerseits üblicherweise Bauleistungen erbringt (also zB ein Bauunternehmer oder Installateur ist).

Damit der Unternehmer, der die Bauleistung erbringt (Subunternehmer), weiß, dass der Auftraggeber seinerseits zur Erbringung dieser Bauleistungen beauftragt worden ist, und dass daher dieser die Steuer schuldet, hat der Auftraggeber den leistenden Unternehmer auf diesen Umstand hinzuweisen (zB durch eine schriftliche Bestätigung auf dem Auftragsschreiben, dass er seinerseits von einem Kunden zur Durchführung der gegenständlichen Leistung beauftragt wurde).

Der leistende Subunternehmer ist verpflichtet, eine Rechnung auszustellen. Er hat in seiner Rechnung die UID- Nummer des Leistungsempfängers (Auftraggebers) anzugeben und auf dessen Steuerschuld hinzuweisen. In den Fällen des Übergangs der Steuerschuld darf der leistende Unternehmer überdies in der Rechnung keine Umsatzsteuer ausweisen. Eine trotzdem ausgewiesene Steuer muss vom Unternehmer an das Finanzamt abgeführt werden, berechtigt aber den Kunden nicht zum Vorsteuerabzug!

Weitere Details dieser sehr komplizierten Regelung sind in einem umfangreichen Erlass des Bundesministeriums für Finanzen enthalten. Für detaillierte Auskünfte steht Ihnen Ihr Sachbearbeiter gerne zur Verfügung.

ZUSÄTZLICHE RECHNUNGSMERKMALE AB 1.1.2003

Aufgrund einer Änderung des Umsatzsteuergesetzes müssen ab 1.1.2003 in "umsatzsteuergerechten" Rechnungen zusätzlich zu den bereits geltenden Kriterien folgende neue Angaben enthalten sein:

  • Anzuwendender Steuersatz bzw Hinweis auf eine allfällige Steuerbefreiung
  • Ausstellungsdatum der Rechnung (zusätzlich zum Lieferdatum)
  • Fortlaufende, einmalig vergebene Rechnungsnummer
  • UID Nummer des Rechnungsausstellers

Da viele Unternehmer derzeit keine UID Nummer besitzen, wird der Fiskus noch in diesem Jahr diesen Unternehmern eine UID Nummer zuteilen.

TU-TIPP

Achtung: Eine Mißachtung (also Nichtangabe) dieser Rechnungsmerkmale kann beim Leistungsempfänger (Kunden) zu einem Verlust des Vorsteuerabzuges führen!!!

ONLINE ÜBERPRÜFUNG DER UID-NUMMER

Seit kurzem besteht die Möglichkeit der Online Überprüfung einer UID-Nummer. Unter

http://europa.eu.int/comm/taxation_customs/vies/de/vieshome.htm

können Sie die Gültigkeit einer UID-Nummer überprüfen. Diese Überprüfung ist jedoch mit Vorsicht zu verwenden, da nur die Existenz der UID-Nummer bestätigt wird, nicht jedoch die Zuordnung zu einer Firma.

Der liefernde Unternehmer schuldet die Umsatzsteuer, falls die UID-Nummer nicht auf den Abnehmer lautet. Es kann also zu einer Umsatzsteuernachzahlung kommen, falls sich bei einer Überprüfung herausstellt, dass der liefernde Unternehmer die Nummer nicht mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmannes überprüft hat. Bei neuen Kunden ist daher die Einholung einer schriftlichen Bestätigung des UID-Büros nach wie vor anzuraten (Überprüfung nach Stufe 2).

HILFE FÜR HOCHWASSEROPFER

Aufgrund des unvorstellbaren Ausmaßes der jüngsten Hochwasserkatastrophe hat die Regierung eine Reihe von Maßnahmen für die Betroffenen beschlossen. Neben der Direkthilfe durch den Katastrophenfonds soll den Hochwasseropfern vor allem durch steuerliche Erleichterungen geholfen werden. Detaillierte Auskünfte erteilt Ihnen gerne Ihr Sachbearbeiter.


NEUERUNGEN FÜR GEWERBETREIBENDE IM GSVG

Mit der jüngsten GSVG Novelle werden die Gewerbetreibenden mit Wirkung 1.1.2003 finanziell entlastet:

  • Die Mindestbeitragsgrundlage für Gewerbetreibende in der Krankenversicherung wird von derzeit EUR1.045,63 auf EUR 537,78 monatlich nahezu halbiert.
  • Jungunternehmer zahlen künftig in den ersten beiden Jahren der Pflichtversicherung für Ihren Krankenversicherungsschutz nur den Mindestbeitrag. Die bisher vorgesehene Nachbemessung aufgrund der tatsächlichen Beitragsgrundlage unterbleibt.
  • Für Gewerbetreibende wird die Bemessungsgrundlage in der Unfallversicherung von EUR9.655,72 auf EUR15.198,91 erhöht. Dies bewirkt einerseits, dass die Unfallversicherungsrenten künftig um mehr als 60% steigen. Andererseits steigt aber auch der Unfallversicherungsbeitrag entsprechend an.

BESCHRÄNKUNG DER NACHHAFTUNG BEI UNTERNEHMENSVERKÄUFEN

Mit 1. Juli 2002 wurde die bis dato zeitlich unbeschränkte Nachhaftung des Unternehmensveräußerers für die bis zum Unternehmensübergang entstandenen fiktiven Abfertigungs- bzw. Betriebspensionsanwartschaften - Gott sei Dank - auf fünf Jahre begrenzt. Wird die vorhandene Wertpapierdeckung (oder gleichartige Sicherungsmittel wie zB Rückdeckungsversicherung) auf den Erwerber übertragen, haftet der Veräußerer nur bis zu einem Jahr nach Betriebsübergang im Ausmaß der Differenz zwischen dem Wert der übertragenen Wertpapiere (Versicherung) und den fiktiven Abfertigungs- bzw. Betriebspensionsansprüchen.

HÖHERE VERZUGSZINSEN AB 1.8.2002

Um die Zahlungsmoral im Wirtschaftsleben zu erhöhen, hat die EU mit einer Richtlinie neue Verzugszinsenbestimmungen festgelegt, die in Österreich kürzlich mit dem Zinsrechtsänderungsgesetz umgesetzt wurden. Nunmehr enthält 1333 Abs. 2 ABGB eine gesetzliche Zinsregelung für alle Geschäfte zwischen Unternehmern (also zB auch Freiberuflern). Bei Zahlungsverzug sind seit dem 1. August Zinsen in Höhe von 8 % über dem Basiszinssatz (somit derzeit 10,75 %) zu bezahlen. Neben der Möglichkeit der individuellen Zinsvereinbarung zwischen den Vertragspartnern besteht weiters die Chance, den Aufschlag von 8 % auf 2 % zu drücken, wenn die Zahlung infolge vertretbarer Beurteilung der Sach- und Rechtslage verzögert worden ist. Weiters kann der Gläubiger den Ersatz von zweckmäßigen außergerichtlichen Inkassokosten fordern.

Der Verzugszinssatz für Verbrauchergeschäfte beträgt unverändert 4 %. Für Dienstnehmerforderungen beträgt der Verzugszinssatz nunmehr 6 % über dem Basiszinssatz (somit derzeit 8,75 %, Reduzierung des Aufschlages auf 2 % möglich).

STEUERFREIE SPARBUCHSCHENKUNG VERLÄNGERT

In letzter Minute wurde die mit 30.6.2002 auslaufende steuerfreie Schenkung von Sparbüchern bis 31.12.2002 verlängert. Erfreulicherweise hat der Verwaltungsgerichtshof entschieden, dass die Steuerfreiheit auch dann vorliegt, wenn ein Überbringersparbuch mit dem Vorbehalt übergeben wird, dass es weiter dem Geschenkgeber gehöre, der Geschenknehmer aber davon Abhebungen tätigen dürfe. Gegenstand der Schenkung ist auch in diesem Fall eine steuerbefreite Geldeinlage und nicht ein vom Geschenkgeber behobener steuerpflichtiger Barbetrag.

KONJUNKTURPAKET

Kurz vor Auflösung des Nationalrates wurde von der Regierung noch ein Konjunkturpaket mit folgenden wesentlichen Inhalten beschlossen:

Bildungsfreibetrag: Für Aufwendungen des Steuerpflichtigen für Aus- und Fortbildungsmaßnahmen wird der Steuerfreibetrag ab der Veranlagung 2003 von 10 % auf 15 % erhöht.

Befristete Investitionszuwachsprämie: Für den Investitionszuwachs bei prämienbegünstigten Wirtschaftsgütern kann eine Investitionszuwachsprämie von 10 % geltend gemacht werden. Prämienbegünstigte Wirtschaftsgüter sind ungebrauchte körperliche Wirtschaftsgüter des abnutzbaren Anlagevermögens. Nicht begünstigt sind Gebäude, GWG, PKW und Kombinationskraftwagen (ausgenommen Fahrschulkraftfahrzeuge, sowie Kraftfahrzeuge, die zu mindestens 80 % der Personenbeförderung dienen) und Wirtschaftsgüter, die nicht in einer inländischen Betriebsstätte verwendet werden.

Der Investitionszuwachs ist die Differenz zwischen deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten der Kalenderjahre 2002 und 2003 und dem Durchschnitt der Anschaffungs- oder Herstellungskosten dieser Wirtschaftsgüter der letzten drei Wirtschaftsjahre, die vor dem 1. Jänner 2002 bzw. vor dem 1. Jänner 2003 enden.

Die Investitionszuwachsprämie kann mit der Steuererklärung geltend gemacht werden.

Lehrlingsausbildungsprämie: Einem Steuerpflichtigen, der mit einem Lehrling ein Lehrverhältnis hat, steht in jedem Kalenderjahr (Wirtschaftsjahr), in dem das Lehrverhältnis aufrecht ist, eine Lehrlingsausbildungsprämie in der Höhe von 1000 Euro zu. Für Kalenderjahre für die ein Lehrlingsfreibetrag geltend gemacht wird, steht keine Lehrlingsausbildungsprämie zu. Die Prämie kann nur in einem der Steuererklärung des betreffenden Jahres angeschlossenen Verzeichnis geltend gemacht werden. Die sich aus dem Verzeichnis ergebende Prämie ist auf dem Abgabenkonto gutzuschreiben.

Vorzeitige Abschreibung: Zur Ankurbelung der Bauwirtschaft wird die 7 %ige vorzeitige Abschreibung für Gebäudeinvestitionen bis 31.12.2003 verlängert.

VERBRAUCHERPREISINDEX

VPI

2000 = 100

VPI

1996 = 100

VPI

1986=1000

VPI

1976= 100

VPI

1966=100

Jahres- durchschnitt 2001 102,7 108,0 141,3 219,6 385,4
Jänner 2002 103,6 109,0 142,6 221,6 388,9
Februar 2002 103,7 109,1 142,7 221,8 389,3
März 2002 103,9 109,3 143,0 222,2 390,0
April 2002 104,3 109,7 143,5 223,1 391,5
Mai 2002 104,6 110,0 143,9 223,7 392,7
Juni 2002 104,7 110,1 144,1 224,0 393,0
Juli 2002 104,6 110,0 143,9 223,7 392,7
August 2002 104,8 110,2 144,2 224,2 393,4

Die Werte für den jeweiligen Monat werden auch über den Tonbandkundendienst 01/1544 bekanntgegeben, bzw. finden Sie diese unter www.statistik.at.


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